Brexit: Chance zur Lösung des Fachkräftemangels?

Von Nusha Namdar - 18. April 2019, 15:54 Uhr
JOB AG und Brexit

„Anne Graham und ihr Mann Tony gehören zu den rund hunderttausend Briten, die nach Schätzung der britischen Statistikbehörde ONS heute schon in Deutschland leben. Der 51-Jährige und seine 50-jährige Frau zogen Anfang Mai 2018 in die Nähe von Stuttgart, wo Tony als Elektronikingenieur bei Dialog Semiconductor arbeitet. Für Anne und Tony war der Brexit der ausschlaggebende Grund für ihre Auswanderung.“ Berichte wie dieser aus WAZ häufen sich in letzter Zeit. Sie erzählen die Geschichte von meist hochqualifizierten Menschen aus Großbritannien, die aufgrund des anstehenden Brexits ihrer Heimat den Rücken kehren, um in Kontinentaleuropa – vor allem in Deutschland – zu leben und zu arbeiten.

Was sagt eigentlich die Statistik?

Dass dies keine Einzelfälle sind, zeigt die Statistik: Haben sich im Jahr 2015 noch 622 Briten in Deutschland einbürgern lassen, stieg laut Statista die Zahl im Jahr 2016 auf 2.865 und 2017 auf 7.493. Und es könnten noch viel mehr werden: Kurz nach dem Brexit-Referendum hat eine Umfrage des Jobportals Stepstone ergeben, dass sich rund ein Drittel der hochqualifizierten Briten vorstellen kann, seine berufliche Laufbahn in einem anderen EU-Land fortzusetzen. 600.000 Briten planten bereits konkret, den Job zu wechseln. Deutschland sei dabei mit Abstand das attraktivste Zielland.

Auch EU-Bürger denken ans Auswandern

Doch nicht nur Briten spielen mit dem Gedanken auszuwandern, sondern auch viele Fachkräfte aus der EU, die in Großbritannien leben und arbeiten. Darunter finden sich die oft zitierten polnischen Handwerker, Krankenschwestern, Pfleger usw. Aktuell leben rund 3,8 Millionen EU-Bürger im Vereinigten Königreich, darunter ca. 800.000 Polen. Ihnen hat die britische Regierung Mitte Dezember bestätigt, dass sie künftig nicht mehr das automatische Recht haben werden, im Vereinigten Königreich zu leben und zu arbeiten. Genau um diese polnischen Brexit-Flüchtlinge kämpfen jetzt manche Regionen in Deutschland. So wirbt etwa die Stadt Nürnberg mit einer polnisch-englischen Videokampagne, die wechselwillige polnische Arbeitskräfte ansprechen soll.

Dass solche Bemühungen Erfolg versprechend sind, bestätigt das Institut der deutschen Wirtschaft (IW). Nach einer Umfrage, die im Januar 2019 veröffentlich wurde, hat der britische Arbeitsmarkt, nachdem er in den vergangenen Jahren bei osteuropäischen Fachkräften besonders beliebt war, stark an Attraktivität verloren. Das führe dazu, dass Mitarbeiter aus Osteuropa vermehrt wieder für deutsche Unternehmen arbeiten, die seit Jahren händeringend Fachkräfte suchen.

Integration ausländischer Fachkräfte bedarf enger Betreuung

Auch wir bei der JOB AG sehen die Chancen, die der Brexit trotz aller konjunkturellen Unsicherheiten hinsichtlich des Fachkräftemangels mit sich bringt. Wir wissen aber auch, dass der Wechsel in einen neuen Job in einem anderen Land nicht immer leicht ist. Anne und Tony Graham hatten bereits familiäre Bande in Deutschland. Für sie war die Integration, auch in den Job, wahrscheinlich nicht so schwer. Aber für polnische Fachkräfte, die bisher keinen Bezug zu Deutschland und der deutschen Sprache haben, wird es anders aussehen. Die Erfahrungen, die das JOB AG Geschäftsfeld Medicare mit der Rekrutierung und Vermittlung von ausländischen Pflegekräften aus der EU sammeln konnten, zeigen, dass eine intensive individuelle Betreuung notwendig ist, um die Integration in den hiesigen Arbeitsmarkt und das Leben Deutschland erfolgreich zu gestalten. Beides ist Voraussetzung dafür, dass Unternehmen wirklich von den Fachkräften profitieren. Dasselbe gilt für die Vermittlung von ausländischen Fachkräften in unseren Geschäftsfeldern Business und Technology.

Problem für Unternehmen: unsichere Konjunkturprognosen

Hinzu kommt ein zweites Problem: Die pessimistischen Konjunkturprognosen, die sich nicht nur durch den Brexit eintrüben. Sie haben direkte Auswirkungen auf die Personalpolitik vieler Unternehmen. Auf der einen Seite stehen sie einem akutem Fachkräftemangel gegenüber, der intensive Bemühungen um qualifizierte Arbeitskräfte erfordert. Auf der anderen Seite fordern die unsicheren wirtschaftlichen Aussichten Vorsicht bei Neueinstellungen. In solchen Situationen spielen Personaldienstleister ihre große Stärke aus. Denn durch unterschiedliche Modelle wie der klassischen Arbeitnehmerüberlassung oder individuellen Temp-to-Perm-Lösungen können sich Unternehmen die betriebliche Flexibilität bewahren und Kapazitäten kurzfristig anpassen, ohne dabei Risiken einzugehen.

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