Loyalität zum Arbeitgeber: Eine Frage der Generation?

Von JOB AG - 14. April 2020, 11:00 Uhr

Klischees haben ja die unangenehme Eigenschaft, sich hartnäckig zu halten. Nicht selten werden sie als „wahr“ angesehen. Ein Beispiel hierfür ist die weitverbreitete Meinung, dass Mitglieder der Generationen Y (geboren zwischen 1980 und 1993) und Z (1994 bis 2010) ihrem Arbeitgeber gegenüber grundsätzlich illoyaler sind als die der Baby Boomer (1946 bis 1964) und der Generation X (1965 bis 1979). Doch lässt sich das so pauschal behaupten? Ist das wirklich eine Frage der Generationszugehörigkeit?

Fakt ist doch, dass sich junge Menschen viel schwerer vorstellen können, bis zum Rentenalter nur bei einem Arbeitgeber zu bleiben, als ein 50-Jähriger. Hinzu kommt, dass die (Job-)Möglichkeiten heute vielseitiger sind und ein Arbeitsplatzverlust – angesichts der florierenden Wirtschaft – kein Katastrophenszenario mehr ist.

Auch in wissenschaftlichen Untersuchungen finden sich kaum Belege für die per se existierende Illoyalität gegenüber dem Arbeitgeber. So etwa in den national repräsentativen Stichproben von 17- bis 18-jährigen US-High School-Schülern aus den Jahren 1976, 1991, und 2006. Deren Auswertung zeigte sogar, dass Vertreter der Gen X/Y im Vergleich zu Baby Boomern durchschnittlich eine höhere (!) Präferenz aufweisen, den Großteil ihres (Arbeits-)Lebens in demselben Job zu bleiben.

Unternehmen müssen individuelle Wünsche der Mitarbeiter im Blick haben

Diese Entscheidung dient ja in aller Regel keinem Selbstzweck. Nicht nur für „ältere“ Arbeitnehmer, sondern auch für die „jüngeren“ gilt: Wer in einem Job rundum zufrieden ist, der wird kaum wechseln wollen, wenn er nicht muss (z. B. weil der der neue Freund/die neue Freundin in einer anderen Stadt lebt). Was sich geändert hat, ist die Beurteilung, was ein zufriedenstellender Job bieten muss. Natürlich gibt es hier keinen Königsweg. Jeder hat seine eigenen Vorstellungen, die es gilt, im persönlichen Kontakt zwischen Arbeitgeber und -nehmer herauszufinden. Aber ein Blick auf soziodemographische Aspekte schadet auf keinen Fall und offenbart zugleich einen Wertewandel innerhalb der dem Arbeitsmarkt zur Verfügung stehenden Generationen.

Die Generation X – auch Generation Golf genannt – wurde in ihrer Kindheit stark durch die Wirtschaftskrise und eine aufkommende Scheidungsrate geprägt. Jobsicherheit, auch auf lange Sicht, hat für sie einen sehr hohen Stellenwert. Das ist für Unternehmen sicher positiv zu bewerten, kann sich aber auch ins Gegenteil verkehren. So zeigte eine repräsentative Studie des Beratungs-Unternehmens Gallup, dass 71 Prozent der Arbeitnehmer nur noch Dienst nach Vorschrift schieben, ohne sich um eine bessere Alternative zu bemühen. Das kann für kein Unternehmen gut sein. Hier wäre ein Wechsel sogar positiv – für beide Seiten.

Generation Y legt großen Wert auf die Identifikation mit den Visionen des Arbeitgebers

Die Generation Y möchte hingegen vor allem eine Arbeit, die sinngebend ist und zur Selbstverwirklichung beiträgt. Diese Wünsche sind nicht gänzlich neu aber diese Generation formuliert sie und fordert sie ein – und das nicht erst nach 20 Berufsjahren, sondern von Beginn an. Deshalb ist das Entgelt für junge Erwachsene nur noch eine Facette in Bezug auf die Attraktivität eines Arbeitsverhältnisses und ist nicht mehr von zentraler Bedeutung. Einen hohen Stellenwert hat die Identifikation mit den Visionen und Zielen des eigenen Unternehmens. Für sie ist das Gesamtpaket entscheidend, das ein Unternehmen bzw. die Tätigkeit bietet. Stimmt dieses Paket, ist die Wechselwilligkeit nicht höher als bei anderen Generationen.

In Zeiten des Fachkräftemangels reicht es nicht mehr aus, einfach einen starren Rahmen vorzugeben, innerhalb dem sich der einzelne Mitarbeiter bewegen darf. Er muss soweit wie möglich auf die Vorstellungen des Arbeitnehmers angepasst werden. Das ist sicher aufwendig und in den Unternehmen muss ein Umdenken stattfinden. Aber in Zukunft ist es definitiv unausweichlich, um im „War of Talents“ zu bestehen.

Wer mehr über die Wertewandel in der Arbeitswelt erfahren möchte, der sollte einen Blick in die Studie „Wertewelten Arbeiten 4.0.“ des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales aus dem Jahr 2016 werfen.

Gefallen Ihnen unsere Beiträge? Dann schauen Sie doch hier vorbei.